Verkehrsrecht aktuell

Fahrradfahren ohne Helm und Mitverschulden

Das OLG Nürnberg hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob allein die fehlende Nutzung eines Fahrradhelms im Alltagsradverkehr von Erwachsenen automatisch einen Mitverschuldensvorwurf im Schadensfall begründet.

 

Die Entscheidung bezieht sich ausschließlich auf die Nutzung eines normalen Fahrrades, nicht auf die Nutzung eines E-Bike, Rennrad oder Mountainbike.

 

Für diese Fälle hat das OLG in Fortschreibung der Rechtsprechung des BGH entschieden, dass sich allein aus der fehlenden Nutzung des Fahrradhelms nicht automatisch ein Mitverschulden gegenüber dem Fahrradfahrer begründet.

 

Hier ist vielmehr eine individuelle Betrachtung erforderlich. So kann zum Beispiel das hohe Alter des Radfahrers, eine geringe Übung des Fahrradfahrers oder Sturzanfälligkeit desselben eine Obliegenheitsverletzung und damit einen Mitverschuldensvorwurf begründen.

 

Achtung:

 

Auch das vorzitierte Urteil des OLG Nürnberg zeigt, wie wichtig eine individuelle Betrachtung und Argumentation ist und dass sich pauschale Annahmen (wie sie gerne vom Haftpflichtversicherer aufgeführt werden) verbieten. Auch hier erscheint es unbedingt empfehlenswert, einem entsprechenden Kürzungsverlangen des Haftpflichtversicherers im Schadensfall mit fachanwaltlicher Hilfe entgegenzutreten.